Angewohnheiten

von Hans Magnus Enzensberger

ANGEWOHNHEITEN

Wie oft mußte Plato sich schneuzen,
der heilige Thomas von Aquin
seine Schuhe ausziehen,
Einstein sich die Zähne putzen,
Kafka das Licht ein- und ausschalten,
bevor sie zu dem kamen,
was ihnen aufgetragen war?

Ganze Wochen, aufs ganze gesehen,
bringen wir damit zu,
unsere Hemden auf- und zuzuknöpfen,
unsere Brillen zu suchen
oder das, was wir zu uns nahmen,
wieder auszuscheiden.

Wie flüchtig sind unsere Meinungen
und unsere Werke, verglichen mit dem,
was wir miteinander teilen:
Kochen, Waschen, Treppensteigen –
unscheinbare Wiederholungen,
die friedlich sind, gewöhnlich
und unentbehrlicher als jedes chef d’œuvre.

von Hans Magnus Enzensberger

Barcelona,Spanien

immer weiter

 Auf den Spuren des Schönen hatte Aschenbach sich eines Nachmittags in das innere Gewirr der kranken Stadt vertieft. Mit versagendem Ortssinn, da die Gässchen, Gewässer, Brücken und Plätzchen des Labyrinthes zu sehr einander gleichen, auch der Himmelsgegenden nicht mehr sicher, war er durchaus darauf bedacht, das sehnlich verfolgte Bild nicht aus den Augen zu verlieren, und zu schmählicher Behutsamkeit genötigt, an Mauern gedrückt, hinter dem Rücken Vorangehender Schutz suchend, ward er sich lange nicht der Müdigkeit, der Erschöpfung bewusst, welche Gefühl und immerwährende Spannung seinem Körper, seinem Geiste zugefügt hatten. Tadzio ging hinter den Seinen, er ließ der Pflegerin und den nonnenähnlichen Schwestern in der Enge gewöhnlich den Vortritt, und einzeln schlendernd wandte er zuweilen das Haupt, um sichüber die Schulter hinweg der Gefolgschaft seines Liebhabers mit einem Blick seiner eigentümlich dämmergrauen Augen zu versichern. Er sah ihn, und er verriet ihn nicht. Berauscht von dieser Erkenntnis, von diesen Augen vorwärts gelockt, am Narrenseile geleitet von der Passion, stahl der Verliebte sich seiner unziemlichen Hoffnung nach – und sah sich schließlich dennoch um ihren Anblick betrogen. Die Polen hatten eine kurz gewölbte Brücke überschritten, die Höhe des Bogens verbarg sie dem Nachfolgenden, und seinerseits hinaufgelangt, entdeckte er sie nicht mehr. Er forschte nach ihnen in drei Richtungen, geradeaus und nach beiden Seiten den schmalen und schmutzigen Quai entlang, vergebens. Entnervung, Hinfälligkeit nötigten ihn endlich, vom Suchen abzulassen.

von Thomas Mann /aus der Tod in Venedig

Barcelona,Spanien

Bitte

von Hilde Domin

Wir werden eingetaucht
und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen
Wir werden durchnäßt
bis auf die Herzhaut

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht
der Wunsch den Blütenfrühling zu halten
der Wunsch verschont zu bleiben
taugt nicht

Es taugt die Bitte,
daß bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe
Daß die Frucht so bunt wie die Blume sei
daß noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden 

Und daß wir aus der Flut
daß wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden

von Hilde Domin

Barcelona,Spanien

Wollen

Wollen

Was möchtest du?
Was begehrt dein Herz?

Kannst du dich nicht entscheiden?
Warum?

Schwarz oder Weiß?
Grau?

Man kann nicht alles haben.
Oder doch?

Nein.
Ja.
Sag schon.

Ich kann nicht.
Du willst nicht.
Doch.

Sag es mir.
Jetzt.
Lass mich.

Geh weg.
Ich will dir helfen.
Lass mich dir helfen.

Liebe.
Zusammen.
Lass es uns versuchen.

In Ordnung.
Ich will.

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

blauer Himmel


 

Der blaue Himmel strahlt 

so eine enorme Energie aus.

Ich tanke Farbe,

ich fühle mich 

stärker durch dich. 

Noch ein Wunder!

Wunder um Wunder !

Die Welt kann so schön sein.

Lasst sie doch scheinen-

in voller Herrlichkeit. 

Amen.

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

eine Stadt wie keine andere

ChatGPT

Bist du ein Freund?
Ein Assistent?
Bist du ich?
Wer bist du?
Was bist du?
Was wirst du werden?
Wir lassen uns überraschen.

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

Wind

Der Wind ,das himmlische Kind .

So eine starke Bewegung!

So ein Sausen.

Ein Mitnehmen.

Ein Mittragen.

Pass auf !

Pass auf ,dass du nicht fällst!!!

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

Du

Wenn ich an dich denke,

lache ich,

und möchte andauernd

 danke sagen

für alles.

Auf immer und ewig.

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

die Welle

Das Rauschen des Meeres.

Es lässt mich träumen.

Ich möchte das dieser Traum 

kein Ende nimmt,

denn es ist ein herrlicher Traum,

der mich fliegen lässt,

der mich die Freiheit spüren lässt.

Ich schwebe 

durch das Rauschen des Meeres. 

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

Carpe diem

Zeit.So ein schönes Wort.

Ich schenke dir Zeit.

Mir wird Zeit geschenkt. 

Ein Geschenk.

Ein großes Geschenk. 

Ein wertvolles Geschenk.

Unser Glück.

Unser Leben.

Freu dich.

Carpe diem.

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

Verständnis

Jetzt gehen wir 

mit den Bäumen sprechen 

und mit den Vögeln.

Vielleicht werden 

 sie uns verstehen.

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien