die zauberhafte Stadt Warschau

Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge.

von Ignatius von Loyola

Warschau ,Polen

Man lernt das Matrosenleben

Man lernt das Matrosenleben

nicht durch Übungen in einer Pfütze

Franz Kafka
(* 1883-07-03, † 1924-06-03)

Warschau,Polen

Sagrada Familia 9

Tschüss

Warum tust du das?
Warum bist du so?
Warum denkst du nie an mich?

Ich kann nicht mehr.
Ich kann uns keine Chance mehr geben.
Es ist zu viel.
Es tut mir leid.
Ich werde gehen.

Auf Nimmerwiedersehen.
Versuche, dich zu ändern –
nicht für mich,
sondern für dich
und für all die anderen.

Denk nicht nur an dich.
Fang an, dieser einfachen  Regel zu folgen:
Was du nicht willst, das man dir tut,
das füg auch keinem andern zu.

Tschüss.

Von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

Rezept

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

von Mascha Kaléko

aus: Die paar leuchtenden Jahre

Barcelona,Spanien

Hoffnung

Krieg 

Krieg bedeutet Tod .

Krieg bedeutet Leid .

Wo ist die Diplomatie geblieben?

Wo ist die Gewaltlosigkeit geblieben?

Frieden auf Erden .

Ein Leben ohne das Böse .

Ein Leben voller Wachstum .

Und ohne  Zerstörung .

Aber mit Liebe im Herzen.

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

Carmen

carmina

Catull.1 
Widmung an Cornelius Nepos

ad Cornelium

(1) Cui dono lepidum novum libellum
arida modo pumice expolitum?
(2) Corneli, tibi: namque tu solebas
meas esse aliquid putare nugas.
(3) Iam tum, cum ausus es unus Italorum
omne aevum tribus explicare cartis . . .
(4) Doctis, Iuppiter, et laboriosis!
(5) Quare habe tibi quidquid hoc libelli –
qualecumque, quod, o patrona virgo,
plus uno maneat perenne saeclo!

von Catull

zu Cornelius

Wem nur schenk ich das nette neue Büchlein,

Das vom trockenen Bimsstein frisch geglättet?

Dir, Cornelius! denn du glaubtest immer,

Meine Sächelchen seien nicht ganz wertlos;

Damals schon, als allein bei uns du wagtest,

Alle Zeit zu entfalten in drei Wälzern,

Grundgescheiten, bei Gott, und voller Mühsal.

Drum, was dran ist an diesem Büchlein, nimm es,

Welchen Wert es auch hat. O holde Jungfrau, 

Gib ihm länger als ein Jahrhundert Geltung!

Übersetzung: E.Gottwein 

Barcelona,Spanien

gestern und heute 

Gestern war ich noch ich,

doch wer bin ich heute ?

Bin ich ein besserer Mensch geworden ?

Bin ich ein effizienterer Mensch geworden ?

Leiste ich mehr als gestern ?

Leiste ich mehr als sie ?

Bin ich nützlich für die Menschheit ?

Bin ich wertvoll für jemanden?

Für wen bin ich wertvoll?

Wie lange werde ich

für diese Person 

wertvoll sein ? 

Ich fühle mich heute anders .

Ich fühle mich verwandelt.

Aber ist das gut so ?

Kann man  meine Verwandlung

eine Verbesserung nennen ? 

Was meinst du ?

von Jeannette Paterakis

Barcelona,Spanien

grün

Die große Fracht

Die große Fracht des Sommers ist verladen,
das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.
Die große Fracht des Sommers ist verladen.

Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
und auf die Lippen der Galionsfiguren
tritt unverhüllt das Lächeln der Lemuren.
Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit.

Wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit,
kommt aus dem Westen der Befehl zu sinken;
doch offnen Augs wirst du im Licht ertrinken,
wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.

von Ingeborg Bachmann

© Piper Verlag GmbH, München 1978
Aus: Die gestundete Zeit. 1953.

Barcelona ,Spanien

Wochenende

Lied des Einsiedels

Wie seltsam hat sich dies gewendet, 
 Daß aller Wege wirrer Sinn 
 Vor dieser schmalen Tür geendet 
 Und ich dabei so selig bin!

Der stummen Sterne reine Nähe 
 Weht mich mit ihrem Zauber an 
 Und hat der Erde Lust und Wehe 
 Von meinen Stunden abgetan.

Der süße Atem meiner Geige 
 Füllt nun mit Gnade mein Gemach, 
 Und so ich mich dem Abend neige, 
 Wird Gottes Stimme in mir wach.

Wie seltsam hat sich dies gewendet, 
 Daß aller Wege wirrer Sinn 
 Vor dieser schmalen Tür geendet 
 Und ich dabei so selig bin,

Und von der Welt nur dies begehre, 
 Die weißen Wolken anzusehn, 
 Die lächelnd, über Schmerz und Schwere, 
 Von Gott hin zu den Menschen gehn.

von Stefan Zweig
(* 1881-11-28, † 1942-02-23)

Barcelona,Spanien

Menschen


von Elias Canetti

Man mag drei- oder viertausend Menschen gekannt haben, man spricht aber immer nur von sechs oder sieben.

Barcelona,Spanien