Der blinde Geiger zu Prag
„Bruder Janko, Bruder Janko,
Nimm die Geige, nimm den Bogen,
Böse Träume, blut’ge Träume
Haben meinen Geist umzogen.“
„Spiel’ nur wieder deine Weisen
Die noch stets den Bann gebrochen,
Daß die grimmen Stürme schweigen
Die an’s Tor des Herzens pochen.“
Also spricht der blutigfinst’re
Dalibor, der wilde Räuber,
Auf den Knauf des Schwert’s sich stützend,
Zu dem alten Schmerzbetäuber.
Und der Geiger, gern erbötig,
Nimmt die Geige, nimmt den Bogen,
Und wie Friedensengel kommen
All’ die Klänge angezogen;
Dringen schmeichelnd in das wilde
Räuberherz, wie milde Schimmer,
Die der Mond durch Wolken sendet
Auf verbrannte, öde Trümmer.
von Johann Nepomuk Vogl (* 7. Februar 1802 in Wien; † 16. November 1866 ebenda)











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